Die Hamburger Lehrergruppe früher und heute

1979 gab es auf Homululu, dem ersten international zusammengesetzten Homosexuellentreffen in Frankfurt, einen Workshop für Lehrkräfte, auf dem das Thema „Homosexualität und Schule“ erörtert wurde. Er wurde wesentlich von der

Berliner Lehrergruppe gestaltet, die seit Dezember 1978 existiert.

In der Folge von Homolulu fand 1980 in Hannover das erste bundesweite Treffen schwuler Lehrer statt. Daraufhin gründeten sich in vielen Bundesländern Gruppen schwuler Lehrer, so in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Die Gruppen trafen sich regelmäßig, organisierten Veranstaltungen, setzten sich mit den Kultusbehörden auseinander – oft sehr erfolgreich - und publizierten die Erfolge ihrer Arbeit.

Beispiele für das Engagement der damaligen Hamburger Gruppe

1984 hatte das Gymnasium Bahrenfeld geplant, „einen Homosexuellen in den Gemein- schaftskundeunterricht seines Oberstufenkurses einzuladen“.

Doch der damalige Oberschulrat Dr. Brüggemann untersagte dies mit folgender Begründung: Eine „Einbeziehung direkt von dieser Problematik betroffener Personen in den Unterricht“ sei „bei der Behandlung des Themas Homosexualität“ nicht gemeint. „Ganz abzulehnen ist die Mitwirkung eines mit den Schülern etwa Gleichaltrigen (18-jährigen), die pädagogisch und sozialethisch schwerste Bedenken auslösen muß“.
Die schwule Lehrergruppe stellte einen Antrag an die GEW, sich an den Schulsenator zu wenden, um zu erreichen, dass „weiterhin Homosexuelle in den Unterricht eingeladen werden dürfen“.

Die schwule Lehrergruppe hat mit mehreren Briefen erreicht, dass der sog. „Aufklärungsfilm“ 'Christian und der Briefmarkenfreund' - ein schwulenfeindliches Machwerk - von der Landes-bildstelle nicht mehr verliehen wurde.

Die Gruppe wirkte an zahlreichen Veranstaltungen mit Ständen mit.
Wie viele Bürgerrechtsgruppen dieser Zeit forderte auch sie die Abschaffung des § 175.

Seit 1983 findet das bundesweite Treffen schwuler Lehrer jährlich zu Pfingsten im Wald- schlösschen bei Göttingen statt; die Hamburger waren stets in die Vorbereitungen eingebunden.

Mit der Zeit erlosch die Energie, die Hamburger Gruppe aufrechtzuerhalten, und sie hörte zwischenzeitlich auf zu existieren.
Im Sommer 2008 gründete sie sich neu und wächst seither stetig an. Zu unseren Mitgliedern gehören gleichermaßen Mitglieder von damals wie jüngere Kollegen.


Die neue Lehrergruppe

Wir sind weiterhin aktiv und setzen uns dafür ein, dass Vielfalt ein selbstverständlicher Teil der Schulkultur sein kann.

Wir legen großen Wert darauf, dass jede_r selbst bestimmt, ob und inwieweit er_sie sich an der Schule outet. Zugleich ist es uns ein Anliegen, die Sichtbarkeit von LGBTI-Lehrkräften zu stärken und ermutigende Akzente zu setzen.

So sind wir auch eine Anlaufstelle für Kollegen, die sich outen oder Vielfalt in Schule thematisieren möchten.

Wir kooperieren mit dem magnus hirschfeld centrum und dem dort aktiven Jugendprojekt soorum sowie mit dem Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung.

Diejenigen von uns, die es wünschen, sind immer wieder bei öffentlichen Auftritten präsent, etwa Diskussionsrunden oder dem Hamburger CSD. Die Presse berichtete mehrfach über uns. Auf unsere Initiative hat der Schoedel-Verlag in seinem Schulbuch "Biologie heute aktuell 2" eine inakzeptable Darstellung der "Erscheinungsformen menschlicher Sexualität" überarbeitet und gegen eine angemessene Neugestaltung ausgetauscht.

Uns ist es ein Anliegen, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz schon über die Schule zu unterstützen und zu fördern.